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Kombiniertes Vorgehen („dual guidance“)

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Immer wieder wird man mit der Frage konfrontiert, ob der Ultraschall über kurz oder lang das Ende der Ära der elektrischen Nervenstimulation herbeiführen werde. Aus unserer Sicht ist dies v.a. aus zwei Gründen nach jetzigem Stand weder zu erwarten noch anzustreben.

Zum einen bietet die gleichzeitige Verwendung von Ultraschall und Nervenstimulator gerade dem noch weniger routinierten Anwender ein zusätzliches Maß an Sicherheit bei der Identifikation nervaler Strukturen.
Zum anderen kann die Kombination aus „schallfeindlicher“ Anatomie (z.B. massive Adipositas) und tiefer Blockade (z.B. Psoasblock, prox. Ischiasblockaden) auch für den erfahrenen Sonographeur zu Schwierigkeiten bei der Darstellung der Zielregion führen und damit den zusätzlichen Einsatz des Nervenstimuators erfordern.
Wo aus unserer Sicht nicht nur möglich, sondern extrem sinnvoll, wird bei der Besprechung der einzelnen Blockadetechniken auf die Verwendung von „dual guidance“ explizit hingewiesen.

 

Bewertung von Nervenstimulation und Ultraschall „dual guidance“

Die elektrische Nervenstimulation ist ein seit vielen Jahren etabliertes Verfahren zur Lokalisation peripherer Nerven. Durch ihre konsequente Anwendung können – und sollten - Erfolgsquoten von deutlich über 90 % erzielt werden. Gleichzeitig finden sich in der Literatur nur wenige Hinweise auf persistierende Nervenschäden bei der Anwendung der Nervenstimulation. Die Methode ist also auch unter Sicherheitsaspekten absolut etabliert. Ob diese beruhigende Tatsache bei Einhaltung bestimmter „Stimulationsregeln“ immer an einem früher postulierten Sicherheitsabstand von Nerv und Nadel liegt, darf aufgrund neuerer Untersuchungen  bezweifelt werden.
Grundvoraussetzung ist in jedem Falle neben dem geeigneten Nadel- und Stimulatormaterial, die Auseinandersetzung mit anatomischen Gegebenheiten und Landmarken sowie die regelmäßige – am besten tägliche - Anwendung in der Praxis.

Die Tatsache, dass mit Hilfe moderner Ultraschallgeräte die individuellen anatomischen Gegebenheiten und eventuelle Variationen bildlich darzustellbar sind, hat die Möglichkeiten des Anästhesisten in der (peripheren) Regionalanästhesie um einen wichtigen Baustein erweitert. Vielfach wird der direkten Visualisierung von Nadel und Zielstrukturen auch ein Gewinn an Punktionsgenauigkeit und Patientensicherheit zugeschrieben. Den Kollegen, die beginnen sich mit dem wünschenswerten Maß an Selbstkritik mit dieser Technik zu beschäftigen, wird nicht entgehen, dass auch hier nur die regelmäßige Anwendung dazu führt, diesem Anspruch gerecht zu werden. Gerade bei tiefen Techniken, wie z.B. den proximalen Ischiadikusblockaden oder dem Psoasblock, bei denen der Ultraschall bisweilen an seine Grenzen stößt, hat die Nervenstimulation weiterhin ihre Berechtigung. Man spricht in diesem Zusammenhang von der sog. „dual guidance“, bei der beide Techniken parallel zum Einsatz kommen.


Zusammenfassend sind Ultraschall und Nervenstimulation aus unserer Sicht keine konkurierenden, sondern sich ergänzende Verfahren.